Museen

Die Museen in Karakalpakstan sind ein integraler Bestandteil des unschätzbaren Weltkulturerbes. Sie repräsentieren das Kultur- und Naturerbe dieser Region.

Der Entwicklung der karakalpakischen Museumskunde ging eine lange und interessante Geschichte voraus, die eng mit den historischen und kulturellen Prozessen im Usbekistan des späten 19. Jahrhunderts verknüpft ist. Während dieser Zeit wurden in Taschkent die ersten Museumsausstellungen eröffnet und gleichzeitig die Ausstellung zu Karakalpakstan in Petro-Alexandrowsk – heute Turtkul (Toʻrtkoʻl) – organisiert. Letztere zeigte Gegenstände, die in einem ausgetrockneten Abschnitt des Istemes-Sees zwischen 1876 und 1880 gefunden wurden, darunter Keramik und Objekte aus Metall, eine Metallplatte mit der Inschrift eines Moscheebaus, sowie ethnografische Funde.

Im Jahr 1928 gründete sich in Karakalpakstan ein Verein für Heimatkunde. Ein Jahr später, 1929, organisierte der Verein eine heimatgeschichtliche Ausstellung im Kulturhaus von Turtkul. Sie zeigte traditionelle karakalpakische Bekleidung, Arbeitsgegenstände, Manuskripte, die ersten in Turtkul gedruckten Bücher, Fotografien und Gemälde. Diese Ausstellung legte den Grundstein für die Gründung des Karakalpakstan Museums für Landeskunde, eines der ersten Museen nicht nur an den Unterläufen des Amudarja und der Aralseeregion, sondern in gesamt Zentralasien. N. A. Baskakow und N. V. Torchinskaja, Absolventen der Moskauer Staatsuniversität, und der junge karakalpakische Forscher K. Aimbetow waren aktiv an der Entwicklung der Einrichtung beteiligt. Mit dem Museum wuchs auch die Sammlung. Ausstellungsstücke wurden in der Lokalbevölkerung und im Rahmen von archäologischen und ethnografischen Expeditionen, die von berühmten Forschern wie S. P. Tolstow, T. A. Dschdanko, A. L. Melkow, Ya. Guliamow und A. S. Morozowa geleitet wurden, zusammengetragen.

Mitte des 20. Jahrhunderts sollte der einzigartige Künstler, Restaurator und Volkskundler Igor Sawitzky die Museumskunde in Karakalpakstan nachhaltig verändern. Sein wertvoller Beitrag liegt in der Gründung des Karakalpakstanischen Staatsmuseums für Kunst (heute nach I. V. Sawitzky benannt) und im Aufbau seiner Sammlung, die heute internationale Bekanntheit genieβt. In den 1950er Jahren nach Karakalpakstan gekommen, begann Sawitzky mit der Zusammentragung von Volks- und Gebrauchskunst. Nach der Museumsgründung bereicherte er die Sammlung mit einmaligen Bildern unbekannter und verkannter Künstler, die der Russischen Avantgarde angehörten. Sie ist nun die zweitgrößte Sammlung russischer Avantgarde-Kunst nach derjenigen in St. Petersburgs Russischem Museum. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wird das Museum auch die „Perle“ von Karakalpakstan genannt; die britische Tageszeitung The Guardian nannte es einmal „eines der schönsten Museen der Welt.“

Während der vergangenen 20 Jahre hat die Regierung großen Wert auf den Ausbau der Museen gelegt. Gegen Ende der 1990er Jahre wurde das Berdakh-Museum in der Stadt Nukus gegründet. Es widmet sich der karakalpakischen Literatur und Ethnografie. Zusätzlich eröffnete 1997 die karakalpakische Zweigstelle der Usbekischen Akademie der Künste. Sie beinhaltet herausragende Werke zeitgenössischer Künstler. In jüngster Zeit wurde viel Arbeit in die Wiederbelebung und Bewahrung traditioneller Künste im Karakalpakstan Entwicklungszentrum für Handwerkskünste gesteckt. Gleichzeitig wurde in Karakalpakstan auch ein privates Museum – das Hausmuseum der Familie Schamuratow – errichtet.

Heute spielen die Museen Karakalpakstans eine bedeutende Rolle in der Bewahrung, Vermittlung und der Wiederbelebung der nationalen Kultur.